19.03.2017 25. Klassisches Konzert in der Kirche

Musik für alle – lautete das Thema des 25. Klassischen Konzerts des MSF. Denn zwei der Komponisten, von denen das Stadtorchester am 19. März in der St. Josef Kirche Werke darbot, haben sich dies explizit auf die Fahne geschrieben. Genau das wollte auch der MSF mit seinem Konzert erreichen. Musik für Jung und Alt, für Neu- und Stammzuhörer, für Kenner und Nichtkenner der klassischen Blasmusik.

Der bisherige Dirigent des Stadtorchesters, Valdis Bizuns, hat einmalige musikalische Engagements, unter anderem auch im Ausland, erhalten und stand deshalb für die Konzertvorbereitung nicht zur Verfügung. Als neuer Dirigent konnte kurzfristig Arndt Bay gewonnen werden, der mit dem Stadtorchester in kurzer Zeit sehr intensiv ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Konzertprogramm einstudiert hat. Die Musiker freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit und heißen ihn herzlich willkommen im MSF.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Gegensätze“, einem Stück für Blechbläser, das Arndt Bay selbst komponiert und den Blechbläsern des MSF gewidmet hat.

1923 schrieb der englische Komponist Ralph Vaughan Williams die „English Folk Song Suite“, sein bekanntestes Werk für Militärorchester bestehend aus drei Teilen, die alle auf traditionellen englischen Volksliedern basieren. Es geht darin um Liebe und verflossene Liebe, um typische Männer-Konflikte und um Kitsch und Romantik. Typische englische Grafschaften mit großen Herrenhäusern und weitläufigen Landschaften, wo die Adligen genug Angestellte haben, um selbst nicht arbeiten zu müssen, wo Schafe auf den Weiden stehen und alles noch sehr traditionell vonstattengeht, konnte man sich bei dieser Musik bildlich vorstellen.

Thomas Doss, ein zeitgenössischer österreichischer Komponist, zelebriert in seinen Kompositionen gerne „die Stille in der Musik“. Für ihn spielen Farben und Klänge eine große Rolle. Musikalisch liebt er die Klassik, aber gleichzeitig auch Jazz, Folklore und die Moderne. Und diese Vorlieben kann er wunderbar in seinen Kompositionen ausleben. Mit seinem „St. Florian Choral“ gelang es den Musikern, die Zuhörer emotional zu berühren. Der Choral wurde von Thomas Doss als eine Verneigung vor seinem Landsmann und Vorbild Anton Bruckner, der in der Stiftskirche zu St. Florian, einem Ort in der Nähe von Linz, viele seiner Werke schrieb, komponiert.

Mit dem „Flötenquartett“ folgte ein weiteres Werk, welches Dirigent Arndt Bay selbst komponiert hat.

Für den erfolgreichen Komponist Jacob de Haan ist Blasmusik das Medium, in das er seine ganze Inspiration legen kann. Alle Formen, alle Klänge und alle Emotionen können mit einem Blasorchester verwirklicht und ausgedrückt werden. Das Orchester muss es nur umsetzen und den Zuhörern zugänglich machen. Dies gelang dem MSF mit „Concerto d’Amore“ hervorragend. „Concerto d’Amore“ ist ein Werk, das die Magie der Liebe widerspiegeln soll. Mal ruhig und entspannt, mal energetisch und schwungvoll oder auch einfach zum dahinschmelzen. Es wird auf der ganzen Welt oft und gerne gespielt und ist momentan immer noch de Haan’s meist aufgeführtes Stück. Auf YouTube hat es bereits mehr als 1,5 Millionen Klicks und beweist damit, dass klassische Blasmusik keineswegs unbeliebt sein muss.

In der „Rhapsodie für Solo-Flöte & Blasorchester” von R. Summerer spielte Arndt Bay die Solo-Querflöte. Dirigiert wurde das Werk deshalb von der Tenorhornistin des Orchesters, Marion Berger. Wunderschöne, romantische Melodien ziehen sich durch dieses Werk. Nicht nur die Solo-Flöte steht hierbei im Mittelpunkt. Vielmehr ist es ein Wechsel zwischen Flöte und Orchester, in dem auch andere Instrumente abwechselnd kurze Soli spielen. So entsteht ein eindrucksvolles Wechselspiel der verschiedenen Klangfarben.

Während des Ersten Weltkriegs, von 1914 bis 1916, schrieb Gustav Holst, ein englischer Komponist, die Orchestersuite „Die Planeten“. Bestehend aus 7 Sätzen, trägt jeder Satz den Namen eines Planeten unseres Sonnensystems. Mit jedem Satz wollte Holst die Gedanken und Gefühle thematisieren, die mit der entsprechenden Gottheit, die den jeweiligen Planeten seinen Namen gab, in Verbindung gebracht werden. Aus dieser Suite erklang der „Mars“, der Kriegsbringer. Holst präsentiert hierin eine erstaunlich real klingende Version von Krieg, obwohl das Werk mehrere Monate vor Ausbruch des Krieges entstand.

„Mary Poppins“ beschreibt die Geschichte eines fantastischen Kindermädchens. Sie kommt mit Regenschirm und Koffer in das Haus der Familie Banks geflogen, deren Kinder wieder einmal ein Kindermädchen vergrault haben. Obwohl Mary Poppins nicht den Erwartungen von Mr. Banks entspricht, darf sie bleiben und erlebt mit den Kindern Jane und Michael eine wunderbare Zeit mit unvergesslichen Abenteuern. Doch die Kinder lernen auch so einiges von Mary Poppins: Dass Geld allein nicht glücklich macht, dass man Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren beurteilt, sondern auch mal hinter die Fassade schauen sollte und dass es die wahre Liebe tatsächlich gibt. Auch die Eltern der beiden Kinder lässt Mary Poppins verändert zurück, sodass sie am Ende eine in Anführungszeichen richtige Familie sind und kein Kindermädchen mehr brauchen. Mary Poppins ist der neue Stern am Stuttgarter Musical-Himmel und war das Abschlussstück des 25. Klassischen Konzertes.

Dirigent und Musiker wurden nach dieser sehr gelungenen Vorführung von den sehr zahlreich anwesenden Zuhörern mit langanhaltendem Applaus belohnt. Moderatorin Annette Holzer, die wie gewohnt charmant und informativ durch das Programm führte, bedankte sich zum Schluss noch bei allen Musikern und Helfern, die im Hintergrund für die Organisation einer solchen Konzertveranstaltung zuständig waren und warb bei den Zuhörern um möglichst leise Spenden in die Spendentuba. Ein solches Konzert ist mit erheblichen Aufwendungen verbunden, sei es für Honorarkosten, die Durchführung eines 3-tägigen Probenwochenendes zur Konzertvorbereitung, die Anschaffung der Notenliteratur, den Druck von Plakaten und Programmheften und vieles mehr, die zu einem großen Teil aus den Spenden finanziert werden. Seit 25 Jahren veranstaltet der MSF seine „Klassischen Konzerte in der Kirche“ ohne die Erhebung von Eintritt, um, wie das Thema des diesjährigen Konzerts, Musik für alle zu ermöglichen. Jeder einzelne Zuhörer trägt mit seiner Spende, unabhängig von der Größe des Geldbeutels hierzu bei. Der MSF ist sehr dankbar für die Anerkennung der musikalischen Leistung und der damit verbundenen ehrenamtlichen Arbeit in Form von Applaus und Spenden. Für die Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit freut sich der MSF jederzeit über Spenden. Nur so kann das traditionelle Blasorchester auch für die Zukunft in Feuerbach erhalten bleiben. Ein Großteil der Spenden fließt in die Jugendarbeit. Der MSF bildet nämlich auch sämtliche Holz- und Blechblasinstrumente sowie Schlagzeug aus und freut sich immer über neue Schüler oder auch fertig ausgebildete Musiker. Der Verein ist unter vorstand@mvfeuerbach.de zu erreichen. Weitere Informationen zum Verein und den kommenden Veranstaltungen sind unter www.mvfeuerbach.de abrufbar.

(MSF / Marion Berger)